Skitouren im Oberpinzgau: die Runde vor der Arbeit und die Tour für den ganzen Tag
Skitourengehen hat den Ruf, etwas für Spezialisten zu sein — Lawinenausrüstung, Tourenplanung, Risiko. Das stimmt für einen Teil davon. Für den anderen Teil brauche ich nicht mehr als Felle, eine Stunde Zeit und den Parkplatz beim Babylift.
Ich mache beides, seit Jahren, und ich glaube, dass genau diese Zweiteilung der Grund ist, warum hier bei uns so viele damit anfangen. Man muss nicht ins Gelände, um das Gefühl zu bekommen, für das man das macht. Man kann auch einfach eine Piste hinaufgehen, bevor die Lifte laufen.

Meine Runde: Filzstein Speedy hinauf zum Plattenkogel
Das ist die Tour, die ich am häufigsten gehe, und sie ist gleichzeitig die, die ich Gästen als Erstes empfehle. Sie führt über die Piste vom Filzstein Speedy hinauf zum Plattenkogel in Hochkrimml — kein Gelände, keine Lawinenfrage, kein Wetterproblem.
Geparkt wird direkt beim Filzstein-Babylift, von dort geht es unmittelbar los. Wer sportlich unterwegs ist, steht nach 30 Minuten oben. Ich brauche knapp 60, und das ist völlig in Ordnung — es ist ja kein Wettkampf.
Wenn es eine Morgenrunde wird, starte ich gegen acht Uhr. Und dann kommt der Moment, für den ich das eigentlich mache: Man kommt oben an, hat es geschafft, und ringsum steht ein 360-Grad-Blick auf die Dreitausender. Mehr ist es nicht. Es reicht vollkommen.
Was diese Runde so verlässlich macht: Sie funktioniert auch bei schlechtem Wetter. Schneefall, bewölkt, diesig — auf der präparierten Piste ist das kein Problem. Genau deshalb ist sie für Anfänger und Ungeübte geeignet. Etwas Grundkondition, das war's.
Wer lieber nachmittags geht: Ich starte dann nach 15 Uhr und schaue, dass ich vor 17 Uhr wieder unten bin. Zwei Gründe. Erstens wird es dunkel. Zweitens ist dann der Pistendienst unterwegs, und dem will man nicht begegnen.
Nach der Abfahrt liegt die Einkehr praktischerweise auf dem Weg — im Skigebiet gibt es zahlreiche Hütten, und die BergGeistAlm steht rund 200 Meter unter dem Gipfel. Mehr dazu steht im Ski-alpin-Artikel, dort geht es ausführlicher um das Gebiet und die Ofenkartoffel.
Pistentouren: erlaubt, aber nicht zu jeder Zeit
Weil die Frage oft kommt: Pistentouren sind bei uns erlaubt. Man darf also mit Fellen die Piste hinaufgehen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Die Einschränkung betrifft bestimmte Randzeiten — dann, wenn die Pistenpräparierung läuft. Das ist keine Schikane, sondern schlicht gefährlich: Ein Pistengerät mit Seilwinde ist im Dunkeln nicht immer rechtzeitig zu sehen, und das Seil selbst schon gar nicht. Deshalb die 17-Uhr-Grenze oben.
Der Ronachgeier: die Tour für den ganzen Vormittag
Wenn es eine echte Tour sein soll, ist der Ronachgeier über Wald im Pinzgau meine Empfehlung. Er gilt als leicht, und das ist er auch — aber er ist eine andere Größenordnung als die Plattenkogel-Runde.
Die Zahlen: Start beim Gasthof Ronach auf etwa 1.450 Metern, Gipfel auf 2.236 Metern. Macht rund 800 Höhenmeter und etwa zwei Stunden Aufstieg. Der Weg führt durch lockeren Wald und über breite Hänge — nichts Ausgesetztes, nichts Technisches.
Geparkt wird beim Gasthof Ronach, und das kostet nichts. Ein Detail, das man in einer Region, in der Parkgebühren zunehmen, ruhig erwähnen darf.
Oben steht man dann mit Blick auf den Großvenediger und die Hohen Tauern — und das ist der eigentliche Lohn.
Der Baumgartgeier (2.392 m) liegt vom Ronachgeier aus noch etwa eine halbe Stunde weiter. Er ist aber optional und kein selbstverständlicher Teil der Tour. Wer ihn mitnimmt, macht das bewusst; wer am Ronachgeier umdreht, hat nichts verpasst.
Eine Sache noch: Am Berg gibt es keine Einkehr. Wenn, dann unten im Gasthof Ronach. Also Thermoskanne einpacken.

Der Großvenediger: die große Nummer, und was sie voraussetzt
Der Großvenediger ist die Tour, nach der Gäste am häufigsten fragen, und sie ist zu Recht ein Klassiker — im Frühjahr, über das Obersulzbachtal und die Kürsinger Hütte.
Aber sie ist keine Steigerung des Ronachgeier, sondern etwas kategorisch anderes. Was sie voraussetzt: Hochgebirgserfahrung und Erfahrung im Skitourengehen. Gletscher, Spaltensturz, Seilhandhabung — das lernt man nicht nebenbei.
Meine Empfehlung, wenn auch nur ein Fragezeichen bleibt: mit Bergführer. Das ist keine Schwäche, das ist der Unterschied zwischen einer großartigen Tour und einem Problem.
Wer die Gegend erst einmal im Sommer kennenlernen möchte — das Obersulzbachtal und die Venedigergruppe stehen ausführlich im Nationalpark-Artikel und beim Wandern.
Lawinen: was hier unterschätzt wird
Das ist der Teil, bei dem ich nicht relativieren will.
Was Gäste hier am häufigsten unterschätzen: Es sieht oft nicht so gefährlich aus, wie es tatsächlich ist. Ein Hang, der freundlich und übersichtlich wirkt, kann exakt der sein, der geht. Die Optik hilft bei der Einschätzung praktisch nicht.
Deshalb, ohne Einschränkung: Abseits der Pisten wirklich nur mit entsprechender Erfahrung und mit kompletter Lawinenausrüstung — LVS-Gerät, Sonde, Schaufel, und die Übung, damit auch umzugehen. Und vor jeder Tour den aktuellen Lagebericht auf lawine.at prüfen.
Der angenehme Nebeneffekt der Plattenkogel-Runde: Auf der Piste stellt sich diese Frage gar nicht. Das ist einer der Gründe, warum ich sie so oft empfehle.
Wann die Saison läuft
Das hängt weniger am Kalender als an der Schneelage. Zwei Faustregeln aus der Erfahrung:
- Der Plattenkogel geht in der Regel von Dezember bis März — bei entsprechender Schneelage.
- Der Ronachgeier braucht gute Schneelage und wird ab März oft schon heikel.
Der Grund für den Unterschied ist die Ausrichtung: Der Ronachgeier liegt sonnseitig. Was im Hochwinter angenehm ist — man geht in der Sonne statt im Schatten —, wird im Frühjahr zum Problem. Die direkte Einstrahlung setzt dem Schnee zu, und dann ist die Abfahrt nicht mehr das, weswegen man hinaufgegangen ist.
Ausrüstung leihen
Unkompliziert: Tourenausrüstung bekommt man in den Sportgeschäften vor Ort. Das gilt für Krimml, Neukirchen und Mittersill gleichermaßen. Wer erst einmal ausprobieren will, ob Tourengehen etwas für ihn ist, muss also nicht vorher ausrüsten.
Für wen ist das nichts?
Ehrliche Antwort: Für kaum jemanden. Wer Lust darauf hat, kann es machen.
Der Einstieg entscheidet. Ich würde niemandem raten, mit einer Geländetour anzufangen — sondern mit einer einfachen Tour neben oder auf der Piste. Genau dafür ist die Plattenkogel-Runde da. Wenn danach die Lust bleibt, kommt der Rest von selbst.
Was es nicht braucht: besondere Technik, Jugend, oder eine bestimmte Fitness. Was es braucht: Grundkondition und die Bereitschaft, langsam zu gehen.
Wo man wohnt, wenn Tourengehen der Plan ist
Praktisch ist es, nah am Einstieg zu sein — bei einer Morgenrunde zählt jede Minute, die man nicht im Auto sitzt.
Für die Plattenkogel-Runde ist Krimml die naheliegende Basis; der Filzstein liegt wenige Minuten entfernt. Für den Ronachgeier ist Wald im Pinzgau der kürzeste Weg zum Start.
Und weil ein Tourentag selten der ganze Urlaub ist: Dieselbe Region ist im Winter auch ein Skigebiet und hat mit der Wildkogel-Bahn eine der längsten beleuchteten Rodelbahnen überhaupt. Im Sommer wird daraus ein Wanderrevier.


