Den Nationalpark Hohe Tauern erleben: ein Einheimischer zeigt dir den Oberpinzgau
Die meisten Gäste wissen gar nicht, dass sie hier am Rand des größten Nationalparks der Alpen Urlaub machen. Der Nationalpark Hohe Tauern misst 185.600 Hektar und erstreckt sich über drei Bundesländer — Salzburg, Tirol und Kärnten. Und der Oberpinzgau, diese Kette aus sechs Dörfern am oberen Salzachtal, liegt mittendrin am Salzburger Tor zu diesem Naturwunder. Vergletscherte Dreitausender, die höchsten Wasserfälle Österreichs, Europas einziges Smaragdvorkommen, Steinböcke und Bartgeier — das alles ist hier nicht „irgendwo weit weg", sondern beginnt direkt hinter dem Ortsschild. Ich lebe hier und zeige dir, wie du den Nationalpark wirklich erlebst.
Was diesen Nationalpark für mich besonders macht: Er ist kein eingezäuntes Reservat, durch das man nur von außen schaut. Man wandert mittendrin, kehrt auf bewirtschafteten Almen ein, beobachtet Wildtiere aus respektvoller Nähe — und trotzdem ist die Natur streng geschützt. Diese Balance aus Erleben und Bewahren spürt man hier auf Schritt und Tritt, und genau das versuche ich dir mit den folgenden Tipps näherzubringen.

Wenn du nur eine einzige Sache machst
Dann geh auf Smaragdsuche im Habachtal (Bramberg). Das Habachtal ist das einzige Smaragdvorkommen Europas — und während das eigentliche Bergwerk in Privatbesitz und nicht zugänglich ist, führt ein leichter Talweg an Schürfstellen vorbei, an denen man selbst nach den grünen Steinen graben darf. Es ist die Mischung, die dieses Erlebnis so besonders macht: eine gemütliche Wanderung durch ein glazial geformtes Hochtal, urige Almen am Weg, und am Ende sitzt man im kalten Bach und siebt Schotter, in der Hoffnung auf das grüne Funkeln. Ob Smaragd oder Bergkristall — was glitzert, darf mit nach Hause. Kein Museum der Welt erklärt einem die Geologie der Hohen Tauern so eindrücklich wie ein eigener Fund in der Hosentasche.
Die großen Naturwunder
Der Nationalpark hat ein paar Leitattraktionen, die man gesehen haben muss:
- Die Krimmler Wasserfälle (Krimml): Mit 380 Metern Fallhöhe die höchsten Österreichs und die größten Europas — drei Stufen, über die die Krimmler Ache donnernd ins Tal stürzt. Schon vom barrierefreien Kürsingerplatz an der untersten Stufe ist das Schauspiel überwältigend; wer hinaufwandert, spürt die Gischt im Gesicht.
- Der Großvenediger und die Gletscherwelt: Mit 3.657 Metern ist der Großvenediger der höchste Berg Salzburgs — ein vergletscherter Gipfel, der über dem Obersulzbachtal bei Neukirchen thront. Die Hochtour hinauf ist Alpinisten mit Bergführer vorbehalten, aber schon der Blick auf die ewigen Eisfelder von den Almen und Hütten darunter ist ein Erlebnis.
- Die Großglockner Hochalpenstraße: Sie liegt zwar nicht in unseren Ortschaften, aber sehr wohl mitten im Nationalpark Hohe Tauern — und ist mit dem Auto gut erreichbar. Ja, sie ist gut besucht, aber ehrlich: Die Fahrt über die Kehren hinauf, vorbei an Murmeltierwiesen und Gletschern bis zum Blick auf den Großglockner, Österreichs höchsten Berg, ist ein „Once in a lifetime"-Erlebnis, das ich jedem Gast ans Herz lege. Plant einen ganzen Tag dafür ein, startet früh, und lasst euch von der Mautgebühr nicht abschrecken — diese Straße ist ein Stück Alpengeschichte.

Wildtiere: wo du Steinbock, Geier & Co. wirklich siehst
Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird — und ich kann sie aus eigener Erfahrung beantworten. Steinböcke sehe ich fast immer auf dem Weg zur Kürsingerhütte (über das Obersulzbachtal bei Neukirchen) oder zur Zittauerhütte (im Wildgerlostal bei Krimml) — sie stehen oft erstaunlich gelassen am Hang und lassen sich aus Distanz gut beobachten. Mit etwas Glück kreisen darüber Bartgeier oder Steinadler; der Bartgeier wurde in den Hohen Tauern wieder angesiedelt und gehört zu den großen Erfolgsgeschichten des Nationalparks — mit über zwei Metern Flügelspannweite ist er kaum zu verwechseln. Es gibt diesen Moment, wenn die ganze Wandergruppe verstummt, weil oben am Grat plötzlich ein Steinbock steht und seelenruhig zurückschaut: Den vergisst kein Kind, und ehrlich gesagt auch kein Erwachsener. Wer es bequemer mag, hat auch im Großglocknergebiet gute Chancen auf Wildtiere — das ist per Auto erreichbar. Mein Tipp: ein Fernglas einpacken und die frühen Morgenstunden nutzen, da sind die Tiere am aktivsten und die Hänge noch ruhig.

Der beste Aussichtspunkt der Region
Wer die Hohen Tauern auf einen Blick überschauen will, fährt mit der Bahn auf den Wildkogel (über Neukirchen oder Bramberg). Schon vom Restaurant an der Bergstation breitet sich das ganze Panorama aus: die vergletscherte Venedigergruppe, die schroffen Gipfel ringsum, das Salzachtal tief unten. Es gibt im Oberpinzgau kaum einen Ort, an dem man die Dimension dieses Gebirges so mühelos begreift — ohne einen einzigen Höhenmeter selbst gehen zu müssen.
Mit einem Ranger unterwegs
Den Nationalpark kann man auf eigene Faust erwandern — aber wer Inhalt und Hintergründe verstehen möchte, sollte einmal eine geführte Ranger-Tour mitmachen. Die Nationalpark-Ranger sind ausgebildete Naturvermittler (das Zertifikat gibt es österreichweit seit 2010), die über Ökologie, Gletscherkunde, Botanik und die Geschichte des Schutzgebiets erzählen können. Gerade mit Kindern lohnt sich das, um noch tiefer in die Details der Natur einzutauchen — plötzlich ist die Almwiese nicht mehr nur grün, sondern voller Geschichten. Für junge Naturfans gibt es im Sommer sogar ein eigenes Junior-Ranger-Programm (für Jugendliche von 12 bis 14 Jahren). Die aktuellen Touren und Termine bekommst du über die örtlichen Tourismusbüros.
Stille Schätze abseits der großen Namen
Nicht alles im Nationalpark ist laut und berühmt. Zwei Orte, die ich besonders mag:
- Der Untersulzbach-Wasserfall (Neukirchen): Ein 80 Meter tief stürzendes Naturdenkmal gleich am Taleingang — und wer das Tal weiter hinaufgeht (gut anderthalb Stunden ab dem Gasthof Schütthof), erreicht das Schaubergwerk Hochfeld, ein altes Kupferbergwerk, das im Sommer bei geführten Touren zu besichtigen ist. Geschichte und Natur an einem Ort.
- Der Hintersee im Felbertal (Mittersill): Ein stiller Gebirgssee auf 1.313 Metern, 1495 durch einen Bergsturz entstanden. Ein flacher Naturlehrweg mit zehn Tafeln umrundet ihn — der ideale Ort für einen ruhigen Nachmittag, an dem man einfach nur dem Wasser und den Felswänden zusieht.

Respekt vor diesem Ort
Ein Nationalpark ist Schutzgebiet, und ein paar einfache Regeln gehören dazu — nicht als Verbotsschilder, sondern aus Respekt vor einer Landschaft, die uns nur geliehen ist: auf den markierten Wegen bleiben, Wildtiere nicht stören (Distanz halten, nicht füttern), und Pflanzen, Steine oder Mineralien nicht mitnehmen (außer eben dem Smaragd-Schürfgut am dafür vorgesehenen Platz). Ein Punkt, den Stadtgäste oft unterschätzen: Respekt vor den Kühen auf der Alm. Sie wirken behäbig, sind aber wachsam, vor allem mit Kälbern. Bleib ruhig, halt Abstand, und führ Hunde unbedingt an der kurzen Leine — dann gibt es keine Probleme.
Ein Wort zur „guten Luft"
Dass die Region ein Gesundheitsthema hat, sei nicht verschwiegen: Das Aerosol der Krimmler Wasserfälle gilt als anerkanntes natürliches Heilvorkommen, und die reine Höhenluft tut ohnehin jedem gut, der aus der Stadt kommt. Für die meisten Gäste ist das ein schöner Nebeneffekt, kein Hauptgrund — man spürt nach ein paar Tagen einfach, dass man tiefer durchatmet. Mehr braucht es dazu gar nicht zu sagen.
Wann der Nationalpark am schönsten ist
Die Hochsaison ist der Sommer: Von etwa Juli bis September sind die Almen bewirtschaftet, die Bergbahnen laufen, und auch die hohen Wege sind schneefrei — gerade die Touren zur Kürsinger- und Zittauerhütte oder ins Smaragdtal brauchen den Sommer. Der Juni ist für die Wasserfälle der eindrucksvollste Monat, weil die Schneeschmelze sie zum Tosen bringt; in den Hochlagen kann dann allerdings noch Schnee liegen. Der September belohnt mit klarer Fernsicht und ruhigeren Wegen. Eine Wetter-Garantie gibt es im Gebirge nie — verlasst euch lieber auf gute Ausrüstung und einen flexiblen Plan als auf die Vorhersage, dann wird jeder Tag schön.
Auch bei Regen ein Nationalpark-Tag
Wenn das Wetter nicht mitspielt — und in den Bergen kann es das schnell ändern —, lohnen die Nationalparkwelten in Mittersill: ein interaktives Erlebnismuseum, das den Nationalpark mit Adlerflug-Simulation, Gletscher-Inszenierung und Tierwelt ins Trockene holt. Ganzjährig geöffnet, Erwachsene 13 Euro, Kinder 6,50 Euro, unter 5 Jahren gratis. Ein guter Einstieg übrigens auch für den ersten Urlaubstag, um die Region zu verstehen, bevor man hinauszieht.
Dein Ausgangspunkt mitten im Nationalpark
Das Schöne am Oberpinzgau: Du wohnst nicht „in der Nähe" des Nationalparks, du wohnst mittendrin. Von einer Ferienwohnung in der Region aus erreichst du Wasserfälle, Smaragdtal, Almen und Aussichtsberge in kurzer Zeit — und kommst abends in dein eigenes Quartier zurück, statt im Hotel-Trubel. Such dir den Ort, der zu deinem Nationalpark-Urlaub passt: Krimml für die Wasserfälle, Neukirchen für Großvenediger und Wildtiere, Bramberg für die Smaragde, Hollersbach und Mittersill für Tallandschaften und das Nationalparkzentrum, Wald für die Höhe rund um Königsleiten.
Stand der Angaben: Sommer 2026. Öffnungszeiten, Preise und Ranger-Termine bitte vor dem Ausflug kurz prüfen.


